Allergische Erkrankungen nehmen in den letzten Jahren insgesamt zu. Auch Allergien gegen Haustiere werden immer häufiger diagnostiziert. Was kann man tun, wenn es einen selbst, den Partner oder die Kinder „erwischt“? Muss man sich immer gleich vom geliebten Tier trennen oder gibt es noch andere Möglichkeiten?
Wenn ich noch kein Haustier besitze, aber gerne eines hätte und weiß, dass ich allergisch auf Tiere reagiere, gibt es trotzdem Möglichkeiten, ein Haustier zu halten? Oder muss ich Tiere künftig nur noch aus der Ferne beobachten?
Welche Symptome treten beim Besitzer auf?
Die Symptome beim Menschen können unterschiedlich ausgeprägt sein. Häufig treten lokale Hautirritationen, Hautrötungen und juckende Hautausschläge auf. Tränende, juckende Augen – teilweise mit einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) und geschwollenen, schmerzhaften Lidern – werden ebenso beschrieben wie Beschwerden der Atemwege. Diese reichen von schnupfenähnlichen Symptomen mit laufender Nase und Niesen über Hustenanfälle bis hin zu Asthma. Manche Betroffene berichten außerdem über Müdigkeit und Erschöpfung, insbesondere wenn die Beschwerden dauerhaft bestehen.
Treten solche Symptome im Zusammenhang mit Tierkontakt auf, sollten sie zunächst vom Hausarzt und bei erhärtetem Verdacht anschließend von einem Allergologen abgeklärt werden.
Die Allergie wurde bestätigt – was nun?
Es gibt verschiedene Behandlungsoptionen. Hier sollte aber unbedingt der behandelnde Allergologe oder die behandelnde Allergologin weiterhelfen. Möglich ist beispielsweise eine rein symptomatische Therapie mit Antihistaminika oder Kortison. Aber auch eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) oder der Versuch einer Allergenvermeidung sind denkbar. Hierzu müsste man sich jedoch von seinem Tier trennen. Ziel ist es natürlich, dies möglichst zu vermeiden! Ob das medizinisch vertretbar ist, muss jedoch individuell gemeinsam mit dem behandelnden Allergologen entschieden werden. Bei schwerem Asthma kann eine Trennung vom Tier tatsächlich notwendig sein.
Noch mehr Informationen rund um Allergien und ihre Behandlungsmöglichkeiten bietet der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) auf seiner Internetseite.
Wir reden immer von einer Tierhaarallergie. Ist das so?
Nein! Der Körper reagiert nicht auf die Tierhaare selbst, sondern auf bestimmte Eiweißverbindungen (Proteine). Die Allergene stammen – je nach Tierart – aus Speichel, Hautschuppen, Talgdrüsen oder Urin. Der Begriff „Tierhaarallergie“ ist medizinisch gesehen daher irreführend.
Deshalb reduziert die Anschaffung eines Nackthundes oder einer Nacktkatze das Allergierisiko in der Regel nicht. Abgesehen davon, dass diese Tiere Qualzuchten darstellen. Mehr Informationen zu Nacktkatzen und Nackthunden und zu Qualzuchtmerkmalen findest du hier:
Auch die viel beworbenen Pudel und deren Mischlinge (oft als Doodle-Rassen bezeichnet) konnten wissenschaftlich bisher keine allgemein hypoallergenen Eigenschaften nachweisen. Sie werden zwar häufig damit beworben, diese Aussage ist jedoch so pauschal irreführend.
Was kann man noch als Besitzer tun?
- Wichtig ist eine allergenfreie Zone. Das Schlafzimmer sollte möglichst konsequent haustierfrei bleiben. So ist der Körper während des Schlafes den Allergenen nicht dauerhaft ausgesetzt.
- Es gibt die Möglichkeit des sogenannten Prick-to-Prick-Verfahrens. Dabei werden Haare, Speichel und Hautschuppen eines bestimmten Tieres verwendet. Dieser Test wird nicht routinemäßig empfohlen und ist weniger standardisiert als etablierte Allergietests. Sprich am besten mit deinem Allergologen darüber, ob dieser Test in deinem Fall sinnvoll ist oder welche weiteren diagnostischen Möglichkeiten es gibt.
- Des Weiteren kann man mittlerweile, anstatt Proben des eigenen Tieres zu testen, auf standardisierte Extrakte oder molekulare Allergiediagnostik (ISAC- oder ALEX-Test) zurückgreifen. Diese Tests können zwar nicht das individuelle Tier untersuchen, sie können aber aufschlüsseln, ob man beispielsweise auf das Protein Can f 5 reagiert. Can f 5 stammt aus der Prostata unkastrierter Rüden und gelangt über den Urin in die Umgebung.
Was wäre der konkrete Nutzen davon? Reagiert man ausschließlich auf Can f 5, wird eine Hündin oder ein kastrierter Rüde wahrscheinlich deutlich weniger Beschwerden auslösen.
- Zusätzlich Maßnahmen sollten ergriffen werden, um die Allergenbelastung im direkten Umfeld weiter zu verringern. Dazu gehört – wie bereits beschrieben – ein konsequent haustierfreies Schlafzimmer. Ebenso wichtig sind regelmäßiges Staubsaugen, idealerweise mit einem Staubsauger mit HEPA-Filter (High Efficiency Particulate Air). Ein HEPA-Filter ist ein Schwebstofffilter. Er reinigt die Luft von mikroskopisch kleinen Partikeln—darunter Feinstaub, Pollen, Milbenkot und Bakterien—und ist besonders für Allergiker unverzichtbar, da er bis zu 99,995 % dieser Stoffe bindet. Zusätzlich zum Staubsaugen ist häufiges feuchtes Wischen der Wohnung sinnvoll. Auch Luftreiniger ebenfalls mit HEPA-Filter können zusätzlich helfen, die Allergenbelastung zu reduzieren.
- Decken und andere Textilien sollten regelmäßig gewaschen werden. Das Sofa sollte möglichst ebenfalls für das Tier tabu sein. Ist das nicht umsetzbar, empfiehlt es sich, waschbare Decken zu verwenden und diese regelmäßig zu reinigen.
- Selbstverständlich sollten nach intensivem Tierkontakt auch die Hände gründlich gewaschen werden.
Gute Neuigkeiten für Menschen mit einer Katzenallergie
Das Hauptallergen der Katze, Fel d 1, ist inzwischen sehr gut erforscht. Etwa 90–95 % aller Menschen mit einer Katzenallergie reagieren auf dieses Allergen. Es wird hauptsächlich in den Speichel- und Talgdrüsen der Katze gebildet. Beim Putzen verteilt die Katze das Eiweiß auf ihrem Fell. Anschließend gelangt es über ausgefallene Haare in die Umgebung.
Mittlerweile ist es gelungen, einen natürlichen Antikörper aus Hühnereiern – den Anti-Fel-d-1-Antikörper – einem speziellen Katzenfutter beizusetzen. In Studien konnte gezeigt werden, dass durch ein solches Katzenfutter die Menge des aktiven Allergens auf dem Fell deutlich reduziert wird. Für viele Allergiker bedeutet das eine spürbare Verringerung ihrer Beschwerden. Das Futter ersetzt jedoch keine medizinische Behandlung und garantiert auch keine vollständige Beschwerdefreiheit. Je nach Ausprägung der Allergie kann ein engerer Kontakt zur Katze dadurch jedoch wieder besser möglich sein.
Und noch ein ganz wichtiger Aspekt: Nach der bisherigen Studienlage hat die Fütterung eines Katzenfutters, das Anti-Fel-d-1-Antikörper enthält, keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Katze.
Trotz einer Reduktion der Allergene durch das Futter sollten weiterhin die zusätzlichen Maßnahmen zur Verringerung der Allergenbelastung im direkten Umfeld (siehe weiter oben) ergriffen werden.
Fazit
Eine Allergie gegen das eigene Haustier bedeutet heute nicht automatisch, dass man sich von seinem tierischen Familienmitglied trennen muss. Moderne Allergiediagnostik, individuelle Therapieansätze und neue Möglichkeiten zur Reduktion von Allergenen können vielen Betroffenen helfen, weiterhin gut mit ihrem Tier zusammenzuleben. Dennoch sollte jede Allergie individuell beurteilt und gemeinsam mit dem behandelnden Allergologen besprochen werden.