Die Kokzidiose, das ist der Befall des Kaninchens mit Einzellern (Protozoen), ist die häufigste Parasitose des Kaninchen. Insgesamt existieren für das Kaninchen neun verschiedene, spezifische Kokzidien.

Eine Infektion des Kaninchens kann über mehrere Wege erfolgen:

  • Direkt, also von Tier zu Tier. Besonders häufig vom Muttertier auf die Kleinen
  • Über Zukauf eines infizierten Tieres. Dieses Tier muss keine offensichtlichen Symptome zeigen. Es erscheint oft komplett gesund!
  • Kontakt zu Wildkaninchen
  • Oder indirekt, über Verfütterung von verunreinigtem Futter oder über Ausläufe mit verunreinigten Böden

Das Problem:

Oft bleibt die Infektion lange unerkannt. Ältere Kaninchen zeigen zunächst fast keine oder nur milde Symptome, aber wird das Immunsystem des Tieres geschwächt, dann treten Symptome auf, die sogar bis zum Tod des entsprechenden Tieres führen können!

Ursachen für einen Ausbruch der Erkrankungen können zum Beispiel sein:

  • Eine andere Erkrankung, die das Immunsystem schwächt
  • Zukauf und Vergesellschaftung von Einzeltieren oder Tiergruppen
  • Transport
  • das Alter der Tiere (Nachzucht)
  • schlechte Futterqualität
  • falsche Fütterung
  • Stress
  • Narkosen, Operationen

Welche Probleme treten auf?

In der Regel führt ein Befall zu Durchfall. Wie schwer die Erkrankung verläuft hängt davon ab, ob es zu einer bakteriellen Sekundärinfektion kommt. Das bedeutet, dass die Bakterien die Situation, dass das Kaninchen ist durch die Kokzidien geschwächt ist, „ausnutzen“ und sich zusätzlich massenhaft vermehren.

Konkrete Symptome sind folgende:

  • leicht aufgetriebenes Bauch
  • vermehrte Gasbildung im Magen-Darm-Trakt (Tympanie)
  • durch die Aufgasung ein praller Bauch
  • breiiger bis wässriger Durchfall
  • zunehmende Appetitlosigkeit
  • verminderte Gewichtszunahme (Kümmerer)
  • Der vermehrter Verlust von Flüssigkeit und oft eine mangelhafte Aufnahme von Flüssigkeit führen zusammen zu einer starken, fortschreitenden Austrockung des Körpers (Dehydratation)
  • Todesfälle einzelner Tiere, aber auch oft der kompletten Nachzucht (Jungtiere)
  • aber auch milde chronische Durchfälle sind möglich
  • und auch ein Befall der Leber ist möglich (Leberkokzidiose). Dabei können zusätzlich Fieber, Gelbsucht (Ikterus) und Verstopfung (Obstipation) auftreten

Kann man das Kaninchen noch retten, wenn es mal befallen ist?

Die Prognose bei einem Befall mit Kokzidien UND Auftreten von Krankheitssymptomen ist grundsätzlich als vorsichtig einzustufen! Man spricht dann von einer klinisch manifesten Kokzidiose. Diese kann innerhalb von wenigen Stunden zum Tod führen! Betroffene Kaninchen sind als Intensivpatienten stationär aufzunehmen und neben der gezielten Behandlung der Kokzidiose auch symptomatisch zu therapieren. Das bedeutet, dass Flüssigkeitsverluste über Infusionen ausgeglichen werden müssen, das Kaninchen in der Regel leider auch „Zwangsernährt“ werden muss, damit die Magen-Darm Peristaltik nicht zum Erliegen kommt, die Temperatur kontrolliert werden muss und die Darmflora stabilisiert wird.

Anders sieht es bei Kaninchen aus, die Befallen sind, aber noch KEINE Krankheitssymptome aufweisen. Diese werden mittlerweile mit einem aus dem Nutztierbereich stammenden Mittel gegen Kokzidien behandelt. Ein Problem ist hier aber oft die Reinfektion. Also, dass sich das Kaninchen immer wieder selbst ansteckt, obwohl die Therapie eigentlich funktioniert hat. Dabei ist zum einen die Zäkotrophie* der Kaninchen ein großes Problem und zum anderen die Überlebensfähigkeit der Kokzidien in der Umwelt.

*Zäkotrophie: Kaninchen müssen einen speziellen Blinddarmkot wieder fressen, um ihren Vitamin B Bedarf zu decken und eine bessere Proteinausnutzung zu erreichen. Dieser Blinddarmkot wird vom Kaninchen direkt vom After wieder aufgenommen. Blinddarmkot darf nicht mit Durchfall verwechselt werden. Es sind kleine weiche Kotbällchen, die traubenförmig aneinander gelagert sind.

Zusätzlich ist eine konsequente Desinfektion unerlässlich. Kokzidien sind leider ziemlich umweltstabil. Das bedeutet: Kokzidien können sehr lange außerhalb ihres Wirtstieres in der Umwelt überleben und immer wieder die Kaninchen aufs Neue infizieren!

Hier gibt es noch eine Liste zum Downloaden von ESCCAP:

ESCCAP: Kaninchen – Hygienemaßnahmen bei Kokzidien

Wie kann ich meine Kaninchen davor schützen?

Eigentlich ist das gar nicht so schwer, wie man zunächst vermuten mag. Einige Grundregeln müssen beachtet werden. Das sind im Wesentlichen die folgenden:

  • Kotuntersuchung vom eigenen Bestand sollten durchgeführt werden, um zu kontrollieren, ob der eigene Bestand frei von Kokzidien ist. Dabei ist eine Sammelkotprobe möglich. Sollte eine Infektion nachgewiesen werden müssen alle Tiere des Bestandes behandelt werden, unabhängig von auftretenden Krankheitssymptomen
  • Neue Partnertiere sollten VOR der Vergesellschaftung auf Kokzidien untersucht werden
  • Keine Verfütterung von Frischfutter von Grünflächen zu denen Wildkaninchen Zugang haben, da dieses Futter mit Kokzidien verunreinigt sein können.
  • Kontakt zu Wildkaninchen vermeiden
  • Möglichst gut zu desinfizierende Untergründe im Kaninchenstall und Auslauf. Zumindest, bis man sichergestellt hat, dass kein Befall mit Kokzidien vorliegt. Holz lässt sich leider nicht desinfizieren und ist daher ungeeignet!