Schon einmal eine Reportage über Zootiere angesehen? Fast immer sieht man dort, wie über positive Verstärkung mit den Tieren trainiert wird. Das Rüstzeug sind zumeist Futter, Clicker und ein Target. Dabei geht es weniger darum, Kunststückchen á la Zirkusvorführung zu üben, sondern den Tieren gezielt Tricks beizubringen, mit deren Hilfe man eine medizinische Untersuchung, Behandlung oder Diagnostik durchführen kann. Ziel ist es, dass auch Elefanten, Robben, Tiger & Co sich zum Beispiel das Maul und die Zähne kontrollieren lassen, eine Fußpflege über sich ergehen lassen oder eine Behandlung oder Impfung erhalten können. Auch Urin- oder Blutentnahmen sind so möglich. Sogar Ultraschalluntersuchungen können über ein gezieltes Medical Training an Wildtieren ohne Narkose durchgeführt werden. Toll, oder?

Aber warum schreibt eine Kleintierärztin hier was über Wildtiere?

Ganz einfach: wenn es möglich ist, dass man einem Elefantenbullen ohne Narkose die Zähne kontrollieren kann, dann sollte es doch auch kein Problem sein, das bei einem (Familien-)Hund durchzuführen. Und wir reden nicht über total verängstigte Tiere aus dem Tierschutz, die vielleicht schon schlimme Dinge erlebt haben und erst wieder Vertrauen fassen müssen. Hier geht es um den ganz normalen Hund, ohne besondere Vorgeschichte.

Leider erleben wir es immer wieder, dass man eine Untersuchung der Maulhöhle oder der Ohren nur bedingt durchführen kann. Tabletten lassen sich viele, und hier gerade die kleineren Hunde, oft nicht eingeben. Sie fletschen die Zähne und schnappen um sich, wenn man nur ansatzweise Richtung Maul kommt. Und gerade bei den Kleinen sind häufig Zahnerkrankungen vorhanden, die nicht erkannt werden können, wenn man nicht mal die Lefze anheben darf. Eine Blutentnahme gestaltet sich auch hin und wieder schwierig, weil die Tier derartig zappeln, dass man nur schwierig das Blut in sein Röhrchen bekommt.

Niemand will hier einem Tier Schmerzen zufügen! Auch Tiere, die Schlimmes erlebt haben, lassen wir hier mal außen vor. Lässt sich ein Tier aufgrund von Schmerzen oder Panikattacken eine Untersuchung im Wachzustand nicht gefallen, dann hat es ein Recht auf eine Sedation. Aber, eine normale Untersuchung der Zähne, also die Lefzen anheben, einmal den Fang öffnen, eine Untersuchung der Bindehäute, der Augen und der Ohren sollte doch machbar sein. Sie gehört zu jeder ordentlichen Untersuchung vor einer Impfung. Auch Fiebermessen, Krallen schneiden sind keine hochgradig schmerzhaften Dinge und durchaus ohne Narkose zumutbar 😉

Lange Rede kurzer Sinn: man sollte bei einem Hund oder einer Katze eine Untersuchung, die das Tier vielleicht blöd findet, die aber nicht schmerzhaft ist, trotzdem machen dürfen. Man kann dem Tier auch durchaus mal zumuten etwas „auszuhalten“. Ich freu mich auch nicht wahnsinnig darüber, wenn ich beim Arzt den Blutdruck gemessen bekomme, eine Blutentnahme durchgeführt wird, oder ich beim Zahnarzt meinem Mund öffnen muss, aber ich lass es über mich ergehen, ohne einen Schaden davonzutragen. Das gleiche kann man vom Hund auch erwarten. Erklären können wir ihm nicht was passiert, aber wir können es trainieren und genau das ist Medical Training. Über positive Verstärkung, komplett ohne Zwang kann man sein Tier so spielerisch an die Untersuchung gewöhnen. Es gibt hervorragende YouTube Videos dazu, einfach mal ein bisschen durchstöbern. Auch ein guter Hundstrainer kann einem dabei helfen. Je besser sich das Tier untersuchen lässt, umso besser ist es für das Tier selbst. Zum einen ist es viel stressärmer und zum anderen sind die Ergebnisse der Untersuchung viel aussagekräftiger.

Also: am besten schon beim Welpen beginnen, aber auch ein älteres Tier ist nie zu alt, um noch etwas zu lernen!